Die spirituelle Kriegerin und das Geheimnis des Hier und Jetzt (Teil 2) #70

"Die spirituelle Kriegerin" geht es um die Kraft, bewusst zu leben.

In Teil 2 der Podcastabfolge „Die spirituelle Kriegerin“ geht es um die Kraft, bewusst zu leben.

Wir tauchen ein in die Sichtweise von Eckhart Tolle und der Verstand: Wer bin ich ohne meine Gedanken?

Was wäre, wenn dein Gehirn nicht immer recht hätte?

Dieser Gedanke klingt zunächst fast ein wenig frech. Schließlich verlassen wir uns jeden Tag auf unseren Verstand. Wir denken, planen, erinnern uns, analysieren, vergleichen, entscheiden und versuchen, die Welt zu verstehen.

Unser Verstand ist unglaublich leistungsfähig.

Aber genau deshalb lohnt sich eine ganz einfache Frage:

Benutze ich meinen Verstand – oder benutzt mein Verstand mich?

Mit dieser Frage beschäftigt sich meine zweite Folge meines Podcasts „Tauche ein in die Welt von Yoga“. Inspiriert hat mich dabei besonders Eckhart Tolle und sein Buch „Jetzt! Die Kraft der Gegenwart“.

Dabei geht es mir nicht darum, das Denken schlechtzureden. Ganz im Gegenteil. Unser Verstand ist ein wunderbares Werkzeug. Die spannende Frage ist vielmehr, ob wir dieses Werkzeug bewusst einsetzen – oder ob wir uns von jedem Gedanken automatisch mitnehmen lassen.

Gedanken sind nicht automatisch Wahrheit

Wir denken jeden Tag unglaublich viel.

Manche Gedanken sind hilfreich. Andere sind Erinnerungen. Wieder andere sind Befürchtungen, Bewertungen, Vermutungen oder Geschichten über uns selbst.

Und trotzdem behandeln wir Gedanken häufig so, als wären sie Tatsachen.

Da taucht zum Beispiel der Gedanke auf:

Das wird bestimmt nicht funktionieren.

Oder:

Das hätte ich anders machen müssen.

Oder:

Was denkt der andere jetzt über mich?

Ein einzelner Gedanke kann dabei bereits eine ganze Kette weiterer Gedanken auslösen.

Plötzlich sind wir gedanklich wieder bei einem Gespräch von gestern.

Oder wir malen uns aus, was in drei Wochen passieren könnte.

Unser Körper befindet sich allerdings nicht gestern.

Und er befindet sich auch nicht in drei Wochen.

Unser Körper ist immer hier.

Genau dieser Unterschied zwischen Denken und unmittelbarem Erleben ist ein zentraler Punkt meiner neuen Podcastfolge.

Eckhart Tolle und die Kraft der Gegenwart

Eckhart Tolle beschreibt in seiner Arbeit immer wieder, wie stark wir uns mit unserem Denken identifizieren können.

Dabei entsteht leicht der Eindruck:

Ich bin meine Gedanken.

Aber ist das tatsächlich so?

Oder kann ich einen Gedanken beobachten?

Denn sobald ich bemerke:

„Ah – da ist gerade ein Gedanke.“

geschieht etwas Interessantes.

Ich bin nicht mehr vollständig in diesem Gedanken gefangen.

Ich nehme ihn wahr.

Ich beobachte ihn.

Und genau hier beginnt für mich ein neuer Raum von Bewusstheit.

Das bedeutet nicht, dass Gedanken verschwinden müssen. Es geht auch nicht darum, den Kopf mit Gewalt leer zu machen.

Vielleicht geht es zunächst nur darum, nicht jedem Gedanken sofort zu folgen.

Mein Gehirn ist ein Organ

Ein Gedanke aus der Folge beschäftigt mich besonders:

Mein Gehirn ist ein Organ.

Natürlich wissen wir das.

Unser Herz ist ein Organ. Unsere Lunge ist ein Organ. Unsere Leber ist ein Organ.

Und unser Gehirn ebenfalls.

Trotzdem behandeln wir die Stimme in unserem Kopf häufig so, als müsste sie automatisch die Wahrheit kennen.

Dabei macht unser Gehirn genau das, wofür es geschaffen ist: Es verarbeitet Informationen, erkennt Muster, erinnert sich, bewertet Situationen, entwickelt Szenarien und versucht, Gefahren möglichst früh zu erkennen.

Das ist enorm hilfreich.

Aber ein fleißiges Gehirn kann auch sehr viel erzählen.

Deshalb gefällt mir eine humorvolle Vorstellung:

Ich stelle mir mein Gehirn manchmal wie einen unglaublich engagierten Mitarbeiter vor.

Es möchte helfen.

Es möchte mich schützen.

Es möchte Probleme lösen.

Nur manchmal arbeitet dieser Mitarbeiter einfach ein bisschen zu viel.

Dann kann ich innerlich sagen:

„Hallo, liebes Gehirn. Danke für deinen Hinweis.“

Und anschließend:

„Aber du bist gerade schon wieder in der Vergangenheit.“

Oder:

„Danke für deine Prognose. Aber wir sind noch gar nicht in der Zukunft.“

Das verändert nicht sofort den Gedanken.

Aber es verändert meine Beziehung zu ihm.

Vielleicht brauchen wir keinen neuen Gedanken

Wir leben in einer Zeit, in der wir ständig neue Informationen aufnehmen.

Wir lesen.

Wir hören Podcasts.

Wir lernen.

Wir vergleichen.

Wir suchen Antworten.

Und selbstverständlich ist all das wertvoll.

Doch manchmal entsteht der Eindruck, wir könnten jede innere Unruhe lösen, indem wir nur noch mehr verstehen.

Noch eine Erklärung.

Noch ein Buch.

Noch einen Gedanken.

Noch eine Analyse.

Aber vielleicht brauchen wir manchmal gar keinen neuen Gedanken.

Vielleicht brauchen wir einfach ein wenig mehr inneren Raum.

Ich mag diesen Gedanken sehr.

Denn innere Ruhe entsteht nicht immer dadurch, dass wir alles geklärt haben.

Manchmal entsteht sie dadurch, dass wir für einen Moment aufhören, alles klären zu müssen.

Was passiert, wenn wir uns selbst beobachten?

Das Beobachten der eigenen Gedanken ist eine erstaunlich einfache Übung.

Du musst dafür nicht stundenlang meditieren.

Du kannst es mitten im Alltag ausprobieren.

Nächstes Mal, wenn dich etwas aufregt, halte für einen Augenblick inne.

Nicht:

Warum bin ich schon wieder so?

Nicht:

Was stimmt mit mir nicht?

Sondern einfach:

Was geschieht gerade in mir?

Vielleicht bemerkst du einen Gedanken.

Vielleicht Spannung in deinem Körper.

Vielleicht einen schnellen Atem.

Vielleicht den Wunsch, sofort zu antworten.

Vielleicht eine alte Geschichte, die plötzlich wieder da ist.

Du musst das alles nicht sofort verändern.

Zunächst reicht es, es zu bemerken.

Diese kleine Pause zwischen Wahrnehmen und Reagieren kann erstaunlich wertvoll sein.

Der Körper kennt das Jetzt

Für mich als Yogalehrerin ist hier eine Verbindung besonders schön.

Wir können uns theoretisch sehr lange mit der Gegenwart beschäftigen.

Wir können darüber nachdenken, ob wir gerade präsent sind.

Wir können uns fragen:

Bin ich entspannt genug?

Bin ich achtsam?

Bin ich wirklich im Jetzt?

Und schon sind wir wieder im Kopf.

Der Körper bietet eine andere Möglichkeit.

Du kannst dich nicht gestern fühlen.

Du kannst dich nicht morgen atmen.

Du kannst nur jetzt atmen.

Deshalb ist der Atem eine so wunderbare Brücke in die Gegenwart.

Ein Atemzug geschieht nicht in der Vergangenheit und nicht in der Zukunft.

Er geschieht jetzt.

Und vielleicht ist es genau diese Einfachheit, die uns manchmal zurückholt.

Nicht durch noch mehr Denken.

Sondern durch Spüren.

Was bedeutet „No-Mind“?

Ein weiterer Begriff, der in diesem Zusammenhang interessant ist, ist No-Mind.

Dabei geht es nicht darum, plötzlich kein Gehirn mehr zu haben.

Und es geht auch nicht darum, niemals wieder zu denken.

Vielmehr geht es um Momente, in denen der ununterbrochene innere Kommentar leiser wird.

Vielleicht kennst du solche Augenblicke aus ganz alltäglichen Situationen.

Beim Musizieren.

Beim Tanzen.

In der Natur.

Beim Sport.

Beim Yoga.

Beim kreativen Arbeiten.

Oder während eines tiefen Gesprächs.

Für einen Moment kommentierst du nicht ständig das eigene Erleben.

Du bist einfach da.

Und manchmal entsteht genau dann etwas, das wir gar nicht erzwingen können:

Klarheit.

Eine neue Idee.

Ein kreativer Impuls.

Ein Gefühl von Weite.

Vielleicht brauchen wir also nicht immer mehr Denken.

Vielleicht brauchen wir manchmal einfach etwas weniger inneren Lärm.

Die spirituelle Kriegerin und die Beziehung zum eigenen Denken

Auch für meine Idee der spirituellen Kriegerin spielt dieser Gedanke eine wichtige Rolle.

Der spirituelle Weg bedeutet für mich nicht, gegen den eigenen Verstand zu kämpfen.

Es geht nicht darum, Gedanken loszuwerden.

Und es geht auch nicht darum, immer vollkommen ruhig, gelassen und bewusst zu sein.

Viel interessanter finde ich die Fähigkeit, zu bemerken:

Was geschieht gerade in mir?

Welcher Gedanke ist da?

Wohin wandert meine Aufmerksamkeit?

Bin ich gerade in einer Erinnerung?

In einer Zukunftsplanung?

In einer Sorge?

Oder bin ich tatsächlich hier?

Dabei darf alles da sein.

Gedanken dürfen kommen.

Gefühle dürfen auftauchen.

Der Verstand darf arbeiten.

Aber vielleicht müssen wir ihm nicht jedes Mal die gesamte Bühne überlassen.

Eine kleine Übung für deinen Alltag

Probiere heute einmal etwas ganz Einfaches aus.

Wenn du bemerkst, dass dein Kopf sehr beschäftigt ist, sage innerlich:

„Ah. Da ist ein Gedanke.“

Dann spüre deine Füße.

Spüre deinen Körper.

Nimm einen Atemzug wahr.

Und frage dich:

„Bin ich gerade wirklich hier?“

Du musst nichts weiter tun.

Keine Antwort erzwingen.

Keine Gedanken bekämpfen.

Einfach nur bemerken.

Vielleicht stellst du fest, dass bereits dieser kleine Moment etwas verändert.

Vielleicht beginnt innere Freiheit genau hier

Wir können unsere Gedanken nicht vollständig kontrollieren.

Aber wir können lernen, sie wahrzunehmen.

Wir können lernen, nicht jeden Gedanken automatisch für eine Wahrheit oder eine Handlungsanweisung zu halten.

Und vielleicht ist genau das eine Form von innerer Freiheit.

Nicht:

Ich habe keine Gedanken mehr.

Sondern:

Ich bin nicht verpflichtet, jedem Gedanken zu folgen, der durch meinen Kopf geht.

Diese Erkenntnis kann unglaublich befreiend sein.

Denn unser Verstand darf weiterhin denken.

Er darf planen.

Er darf analysieren.

Er darf sich erinnern.

Er darf kreativ sein.

Aber er muss nicht unser Meister sein.

Vielleicht besteht ein Teil von Bewusstheit genau darin, immer wieder zu erkennen, wann unser Verstand uns unterstützt – und wann wir ihm gerade ein wenig zu viel Macht gegeben haben.

In der Podcastfolge „Wer bin ich, wenn ich meinen Gedanken nicht glaube?“ nehme ich dich noch tiefer in dieses Thema hinein. Wir schauen gemeinsam auf den inneren Kommentator, auf Vergangenheit und Zukunft, auf den Körper als Zugang zur Gegenwart und auf die Frage, was geschieht, wenn wir Gedanken nicht sofort folgen.

Am Ende erwartet dich außerdem eine Meditation, in der du genau das praktisch ausprobieren kannst: beobachten, wahrnehmen und zurückkehren – zum Atem, zum Körper und zum Jetzt.

Vielleicht brauchst du heute keinen neuen Gedanken.

Vielleicht brauchst du einfach ein wenig mehr inneren Raum.

Und vielleicht beginnt genau dort etwas ganz Kostbares:

Bewusstheit.

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Mit Licht und Liebe,
Stefanie