In Teil 3 „Die spirituelle Kriegerin“ geht es um die Kunst sich selbst zu beobachten.
Wir tauchen ein in die Welt von Carlos Castaneda und was er über Bewusstheit lehrt
Was wäre, wenn ein Krieger nicht gegen andere kämpfen muss?
Was wäre, wenn es vielmehr darum geht, sich selbst so gut kennenzulernen, dass wir nicht mehr automatisch auf alles reagieren, was in unserem Leben geschieht?
Der Begriff „spiritueller Krieger“ hat etwas Kraftvolles. Gleichzeitig kann er zunächst martialisch oder kämpferisch wirken. Genau deshalb lohnt es sich, genauer hinzuschauen.
In der Welt von Carlos Castaneda steht der Krieger nicht in erster Linie für körperliche Stärke oder Kampf. Vielmehr geht es um Bewusstheit, Disziplin, Aufmerksamkeit und die Fähigkeit, sich selbst zu beobachten. Es geht darum, das eigene Leben nicht einfach im Autopilot abzuspulen, sondern immer wieder bewusst wahrzunehmen: Was tue ich gerade? Warum reagiere ich so? Wohin gebe ich meine Aufmerksamkeit?
Genau diese Fragen beschäftigen mich in meiner neuen Podcastfolge von „Tauche ein in die Welt von Yoga“.
Was bedeutet es, ein spiritueller Krieger zu sein?
Der spirituelle Krieger kämpft nicht gegen das Leben.
Er begegnet ihm.
Das ist für mich ein entscheidender Unterschied.
Wir alle haben Gewohnheiten, Überzeugungen und Verhaltensmuster entwickelt. Manche davon unterstützen uns, andere laufen so automatisch ab, dass wir sie kaum noch wahrnehmen. Wir reagieren auf eine Bemerkung, fühlen uns angegriffen, möchten uns rechtfertigen, werden ungeduldig oder ziehen uns zurück – und erst später merken wir vielleicht, was eigentlich passiert ist.
Der spirituelle Krieger beginnt genau hier.
Nicht mit Selbstkritik.
Sondern mit Selbstbeobachtung.
Ein erster Schritt kann ganz einfach sein:
Ich beobachte mich.
Was geschieht gerade in mir?
Welche Gedanken tauchen auf?
Was macht mein Körper?
Wohin wandert meine Aufmerksamkeit?
Und vor allem: Muss ich wirklich sofort reagieren?
Diese Form der Selbstbeobachtung kann erstaunlich viel verändern. Denn zwischen einem Reiz und unserer Reaktion kann ein kleiner Raum entstehen. Und genau in diesem Raum liegt eine Möglichkeit: die Möglichkeit zu wählen.
Carlos Castaneda und die Frage nach der Wahrheit
Carlos Castaneda wurde vor allem durch seine Bücher über den mexikanischen Yaqui-Indianer und spirituellen Lehrer Don Juan Matus bekannt. Seine Werke haben viele Menschen inspiriert und beeinflusst.
Gleichzeitig ist wichtig zu wissen, dass Castanedas Darstellung von Don Juan sowie der Anspruch, seine Bücher seien authentische ethnografische Berichte, wissenschaftlich und biografisch umstritten sind.
Für mich macht diese Tatsache die Beschäftigung mit seinen Büchern nicht uninteressant – sie verändert vielmehr den Blick darauf.
Ich möchte seine Geschichten nicht einfach als historische oder wissenschaftliche Tatsachen übernehmen.
Viel spannender finde ich eine andere Frage:
Welche Fragen lösen diese Geschichten in mir aus?
Welche Gedanken bringen sie in Bewegung?
Und vielleicht sogar noch wichtiger:
Was entdecke ich dadurch über mich selbst?
Der Weg mit Herz
Ein Bild aus Castanedas Werk finde ich besonders berührend: die Vorstellung, einen Weg zu wählen, der ein „Weg mit Herz“ ist.
Damit ist für mich nicht gemeint, dass jede Entscheidung bequem sein muss. Ein Weg mit Herz kann durchaus herausfordernd sein. Er kann Mut verlangen und uns an unsere Grenzen bringen.
Aber er fühlt sich innerlich stimmig an.
Diese Frage lässt sich wunderbar aus der Welt der spirituellen Praxis in unseren ganz normalen Alltag übertragen:
Ist das, was ich gerade tue, wirklich mein Weg?
Oder mache ich etwas nur, weil ich glaube, es tun zu müssen?
Handle ich aus Überzeugung?
Oder aus Angst vor Ablehnung?
Verfolge ich ein Ziel, weil es mir entspricht?
Oder weil ich damit ein bestimmtes Bild von mir erfüllen möchte?
Solche Fragen müssen nicht sofort beantwortet werden. Manchmal reicht es, sie überhaupt zu stellen.
Wie viel Energie verlieren wir an unsere „persönliche Wichtigkeit“?
Ein weiterer interessanter Gedanke aus Castanedas Welt ist die sogenannte persönliche Wichtigkeit.
Damit ist vereinfacht gesagt die starke Beschäftigung mit dem eigenen Selbstbild gemeint: Wie wir wirken, was andere über uns denken, ob wir recht haben, ob wir gesehen und anerkannt werden.
Wie viel Aufmerksamkeit kann dadurch gebunden werden?
Wir denken über ein Gespräch von gestern nach.
Wir überlegen, was jemand wohl über uns denkt.
Wir ärgern uns darüber, dass jemand unsere Leistung nicht erkannt hat.
Wir möchten unbedingt beweisen, dass wir recht haben.
Und während wir gedanklich immer wieder um uns selbst kreisen, ist unsere Aufmerksamkeit genau dort gebunden.
Der spirituelle Krieger lernt, diese Muster wahrzunehmen.
Nicht, um sich dafür zu verurteilen.
Sondern um zu erkennen:
Ah, da bin ich wieder.
Allein dieses Bemerken kann bereits etwas verändern.






